Mothership
self-sustaining
datacenter
Mothership
Autarkes Rechenzentrum
2013
1. Masterentwurf
Stuttgart / Rosental
Die Idee hinter dem Entwurf: Die Gebäude selbst werden zum Computer. Ziel ist es, die Bauten wieder in den Zustand zu versetzen, den Egon Eiermann ursprünglich entworfen hat. Weil für die neue Nutzung nur die Tragstruktur gebraucht wird, entfallen aufwendige Umbauten – und die Auflagen des Denkmalschutzes lassen sich einhalten. Damit die Quader nicht von neuer Bebauung verdrängt werden, liegt der Neubau unter der Erde und ordnet sich unter. Er funktioniert vollständig autark und wird über die Pascalstraße erschlossen.
Die Form der Quader erinnert an CPU-Sockel – ein passendes Symbol für ihre neue Nutzung. Auch das „Mainboard“ ist aus den Eiermann-Bauten abgeleitet und fügt sich so selbstverständlich in das Gesamtbild ein. Die Gebäude folgen einem Raster von 3,75 m. Verbindet man ihre Mittelpunkte und zieht einen Kreis darum, trifft dieser jeweils die Mittelpunkte der anderen Quader.
Diese Geometrie grenzt das Areal ein und erschließt alle vier Computer ohne komplizierte Wege.
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Der kreisförmige Bau darunter berührt jeden der Quader. Die Erschließung ist dezentral: Ein Parkring um die bebaute Fläche bindet jeden Bereich einzeln an und bietet Stellplätze und Anlieferzonen. Zeitlich versetzte Ankunftszeiten von Mitarbeitern und Besuchern verhindern Staus.
Der Entwurf verbindet vier Themen: Arbeiten, Forschung, den Erhalt des Ortes und seiner Geschichte sowie Kommunikation. Letztere steht im Mittelpunkt – als Austausch zwischen den Bereichen und mit der Öffentlichkeit, etwa im Audimax, das Tagungen und Vorträgen Raum bietet. Die Geschichte des Ortes erzählt ein Museum über Egon Eiermann und die Technik.
Als Ausgleich steht das ehemalige Mensagebäude im Zeichen der Freizeit: Hier entstehen Restaurant, Bistro und Sportangebote für die Mitarbeiter.
Damit der unterirdische Bau nicht im Dunkeln liegt, wird der Ring aufgeschnitten: Es entsteht ein 16 Meter tiefer Lichthof, der das gesamte Gebäude umläuft.
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Die vier Eiermann-Bauten bieten Platz für rund 80 000 Server. Bei etwa 200 W pro Server ergibt sich eine Gesamtleistung von rund 16 MW. Das gesamte Gelände wird mit Solarenergie versorgt. Damit die Kollektoren das Bild nicht stören, liegen sie unsichtbar in künstlichen Seen.
Herkömmliche Rechenzentren verbrauchen 60 bis 70 % ihrer Energie für die Kühlung. Hier übernehmen das Erdwärmetauscher, unterstützt durch die kühlende Wirkung der Seen. Das senkt die Kosten um bis zu 40 %.
Die künstlichen Seen erfüllen damit technische und gestalterische Aufgaben zugleich: Sie halten das Areal ruhig und werden einem hohen ästhetischen Anspruch gerecht.
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Die Unterwasser-Solarkollektoren wurden in einer militärischen Forschungseinrichtung in den USA entwickelt. Mit zunehmender Wassertiefe sinkt ihr Ertrag, knapp unter der Oberfläche ist er jedoch noch hoch – rund 150 W/m². Eine Antihaftbeschichtung und das ständig zirkulierende Wasser reduzieren den Reinigungsaufwand erheblich. Die Seen sind samt Technik 1,50 Meter tief, die Kollektoren liegen einen halben Meter unter der Wasseroberfläche.
Die Server erzeugen viel Abwärme. Deshalb werden die historischen Quader in Glashüllen gefasst: Kaltluft strömt von unten zu, die warme Luft wird oben abgeführt. Sie beheizt den unterirdischen Bau, hält die Seen im Winter eisfrei und schafft im Lichthof ein fast gewächshausartiges Klima.
Der Lichthof ist öffentlich zugänglich und lädt mit vielen Sitzplätzen in eine grüne, botanische Atmosphäre ein. Die Bepflanzung gliedert einzelne Bereiche, ohne das Gefühl von Offenheit zu nehmen. Das Wichtigste ist jedoch das Tageslicht. Ein auskragendes Dach schützt vor Regen und Sonne, zusätzlich lassen sich stellenweise Wasserfälle als Sichtschutz herabführen. Weiße Paneele laufen auf Schienen mit der Sonne mit und lenken das Licht in die gegenüberliegenden Räume – so fällt im ganzen Gebäude gleichmäßiges Tageslicht ein.
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